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Alle zwei Wochen filtern wir das KI-Rauschen und bringen auf den Punkt, was für Learning & Development wirklich zählt: relevante Entwicklungen, Tool-Checks, Mini-Hacks und vieles mehr.
 
 
Ausgabe #5 | 21.04.2026 | Von: Friedl Wynants
 
 
KI drin = kennzeichnen? Warum diese Logik nicht stimmt
 
Beim Thema KI-Kennzeichnung kursieren gerade zwei Missverständnisse: Die einen glauben, künftig müsse alles gekennzeichnet werden, was irgendwie mit KI erstellt wurde. Die anderen hoffen, das Thema betreffe vor allem die Tool-Anbieter.

Beides stimmt so nicht.

Wichtig vorab: Das Folgende ist keine Rechtsberatung, sondern unsere fachliche Einordnung für die L&D-Praxis.

Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des EU AI Acts treten ab 2. August in Kraft. Relevant wird das Thema vor allem dort, wo Menschen direkt mit KI interagieren oder KI-generierte Inhalte sehen, hören oder lesen. 


Zurück zum Thema – konkret geht es vor allem um vier Fälle:
  • Menschen interagieren direkt mit einem KI-System
    Zum Beispiel mit einem Chatbot oder Lern-Buddy – dann müssen sie darüber informiert werden. Außnahme: „Es ist ohnehin offensichtlich“. Heißt, der KI-Charakter ist eindeutig erkennbar, zum Beispiel weil das System sichtbar als ‚KI-Assistent' oder ‚AI Chatbot' gekennzeichnet ist.
     
  • Von KI erzeugte oder manipulierte Bilder, Audios, Videos oder Texte
    Solche Inhalte müssen als künstlich erzeugt bzw. manipuliert erkennbar sein. 
     
  • Deepfakes kommen zum Einsatz
    KI erzeugt oder manipuliert die Darstellung einer echten Person – zum Beispiel ein synthetisches Video oder eine KI-Stimme, die jemandem Worte in den Mund legt, die er oder sie nie gesagt hat. Hier braucht es eine klare Offenlegung gegenüber den Nutzenden. 
     
  • KI-generierter Text informiert die Öffentlichkeit über Themen von öffentlichem Interesse
    Wer KI-generierten Content auf einer öffentlichen Plattform, Website oder einem frei zugänglichen Lernangebot veröffentlicht, muss das kenntlich machen – unabhängig vom Format.

Was heißt das für L&D?
Nicht jeder KI-Einsatz ist automatisch kennzeichnungspflichtig. Wenn KI intern beim Brainstorming hilft oder einen Text nur leicht überarbeitet, ist das nicht automatisch ein Fall für einen Hinweis. Der EU AI Act arbeitet also gerade nicht mit der Logik: „KI drin = immer kennzeichnen“. Für viele Systeme mit minimalem oder keinem Risiko gibt es überhaupt keine speziellen Vorgaben.

Für L&D wird es zum Beispiel relevant bei:
  • Chatbots oder Lern-Buddys im Training 
  • Lerner-Interaktion mit KI-Avataren oder KI-Stimmen 
  • synthetischen Bildern oder Videos in E-Learning-Content
  • öffentlich angebotenen KI-generierten Lerninhalten 
In solchen Fällen braucht es Klarheit für die Lernenden – heißt konkret: Transparenz darüber, dass KI zum Einsatz kommt, z. B. in Form von Hinweisen oder Badges (bei Bildern/Videos).

Ein pragmatischer Start
Drei einfache Fragen reichen für den Anfang:
  1. Interagieren Lernende hier direkt mit KI? 
  2. Erleben sie synthetische Inhalte – also KI-Bild, -Stimme, -Video oder ähnliches? 
  3. Wird KI-generierter Inhalt öffentlich bereitgestellt? 
Ein ‚Ja' auf eine der Fragen ist ein starkes Signal, dass geprüft werden sollte, wie Transparenz sinnvoll und regelkonform umgesetzt wird. Ein sehr praxisnahes Framework weiter unten beim AI-Hack.

Das Ganze ist übrigens nicht nur eine Frage von Bürokratie, sondern auch von Transparenz und Vertrauen. Wer transparent mit KI umgeht, schützt nicht nur vor Missverständnissen, sondern stärkt auch die Glaubwürdigkeit des Lernangebots.
 
 
3 Mythen über KI-Kennzeichnung
 
  1. „Wann immer ich irgendwo KI zur Hilfe nehme, muss ich das kennzeichnen.“ → Nein.​​​
    Nicht jede KI-Hilfe muss offengelegt werden. Wer KI intern zum Brainstorming, Überarbeiten oder Strukturieren nutzt, landet nicht automatisch in der Kennzeichnungspflicht. Relevant wird es vor allem dann, wenn Lernende direkt mit KI interagieren oder ihnen vollständig synthetische Inhalte begegnen.
     
  2. „Wenn der Tool-Anbieter das technisch löst, sind wir raus.“ → Nein.
    Die Frage, wie transparent KI-Einsatz im konkreten Lernkontext für Lernende gemacht wird, bleibt bei der Organisation.
     
  3. „Ein allgemeiner Hinweis irgendwo reicht schon.“ → Nein.
    Transparenz muss dort ankommen, wo sie relevant ist – also für die Lernenden im jeweiligen Nutzungskontext. Nicht versteckt im Kleingedruckten, sondern so, dass klar wird, wann genau KI im Spiel ist.
 
 
Vom AI Act zur Hausregel: eine einfache 5-Stufen-Logik für L&D
 
Der AI Act gibt die Richtung vor, aber keine alltagstaugliche L&D-Logik. Dafür kann eine einfache, interne Kennzeichnungsregel helfen. 
Empfehlung: Am besten mit Beispielen aus dem eigenen Arbeitskontext starten – so wie wir das für unser Content-Team bei der youknow GmbH gemacht haben:
  • Stufe 0: Kein direkter KI-Einfluss auf den Output
    Nur interne Nutzung, z. B. Brainstorming
    → keine Kennzeichnung
    ​​
  • Stufe 1: KI-assistiert
    Leichte KI-Bearbeitung, z. B. Übersetzung oder sprachliche Glättung
    → keine Kennzeichnung
     
  • Stufe 2: Substanziell KI-gestützt
    Richtwert: KI prägt wesentliche Teile des Outputs, z. B. >30% des Textumfangs rein KI-generiert
    → Kennzeichnung in Vor- oder Abspann oder Infoscreen
     
  • Stufe 3: Synthetische Medien
    KI-Stimme, KI-Bild, KI-Video
    → Kennzeichnung per Badge oder sichtbarem Hinweis
     
  • Stufe 4: Direkte KI-Interaktion der User
    Zum Beispiel Chatbot oder Lern-Buddy im Training
    → Kennzeichnung per Userhinweis
(Grafik: youknow)

Das ist keine Rechtsnorm, sondern eine pragmatische Übersetzung für die Praxis, die in manchen Punkten sogar bewusst strenger ist als das gesetzliche Minimum. Aber so kann aus abstrakten Pflichten ein einfach umsetzbarer Standard im L&D-Alltag werden.
 
 
AI Literacy ist längst Pflicht — nicht erst ab 2026
 
Während wir in dieser Ausgabe vor allem auf die Transparenzpflichten ab August 2026 schauen, gilt ein anderer Teil längst: Artikel 4 zur AI Literacy (KI-Kompetenz) ist bereits seit dem 2. Februar 2025 anwendbar. Organisationen müssen also schon heute dafür sorgen, dass Mitarbeitende im Umgang mit KI nicht einfach „irgendwie loslegen", sondern wissen, was sie tun. Für L&D ist das die klarste Botschaft des AI Acts: Befähigung ist keine Option, sondern Voraussetzung.
🔗 Quelle: https://now.you-know.de/e/811453/-ai-literacy-questions-answers/cvkjf/1612085520/h/6NDdZQiGw9i_lI7zO6z86_HER87jnvzZ2GD_lk-Qnk8
 
Agentische KI zieht direkt in die Office-Tools ein
 
Microsoft baut mit der neuen Wave 3 agentische Funktionen tiefer in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Copilot Chat ein. Das heißt: KI hilft künftig nicht nur auf Zuruf, sondern übernimmt in diesen Tools selbstständig mehr Teilschritte – zum Beispiel Inhalte entwerfen, Folien umbauen oder E-Mails vorbereiten. Für L&D ist das ein wichtiges Signal: KI wird immer weniger Spezialtool und immer mehr Teil ganz normaler Wissensarbeit. Genau deshalb werden AI Literacy und klare Leitplanken im Arbeitsalltag jetzt noch wichtiger.
🔗 Quelle: https://now.you-know.de/e/811453/f-microsoft-365-copilo-4504765/cvkjj/1612085520/h/6NDdZQiGw9i_lI7zO6z86_HER87jnvzZ2GD_lk-Qnk8
 
 
Was macht KI mit unserem Vertrauen?
 
Was passiert eigentlich mit unserem Vertrauen, wenn wir uns immer weniger sicher sein können, ob das, was wir sehen, hören oder lesen, echt ist?

Das eigentliche Risiko von KI ist vielleicht gar nicht nur, dass sie täuschen kann – sondern dass wir anfangen, auch echten Inhalten zu misstrauen. Dass aus „sehen heißt glauben“ langsam ein „könnte echt sein – muss aber nicht“ wird. 

(Bild links: youknow; Bild rechts: AI generated)


Ich halte das für eine tiefe Verschiebung: Nicht nur Fälschungen werden zum Problem, sondern auch das Misstrauen gegenüber Echtem. In einer Welt voller Deepfakes und „AI slop“ erwarten selbst Medienverantwortliche, dass verlässliche, hochwertige Inhalte wieder an Wert gewinnen.

Das geht weit über L&D hinaus. Es betrifft Medien, Politik, Marken, Bildung – eigentlich jede Organisation. Vielleicht wird Vertrauen damit zur knappsten Ressource im KI-Zeitalter. Und vielleicht ist das die eigentliche Zumutung der KI-Ära: dass nicht nur Fakes zunehmen, sondern Gewissheit abnimmt.
 
In diesem Sinne: Weiterdenken lohnt sich!

Viele Grüße
Friedl Wynants
 
 
 
 
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